Sowohl das Widrige wie das Förderliche ist
eine Wohltat Gottes unseres Herrn.

Ignatius von Loyola

Rückblicke

Regionaltreffen 2025 „natürlich:leben“ in Gnadenthal

„natürlich:leben“ – Ja, was denn sonst? Natürlich lebe ich, sonst könnte ich das gerade nicht schreiben. Und gleichzeitig versuche ich, natürlich zu leben – mit der Natur verbunden, mich als Teil davon zu verstehen…

Mit dieser Doppeldeutigkeit führte uns das Vorbereitungsteam des diesjährigen Regionaltreffens ins Thema ein. Wir haben uns aus der ganzen Region wieder in Gnadenthal getroffen, dieses Mal an einem sehr sonnigen und samstags auch ungewöhnlich warmem Tag Anfang April. In gewisser Weise war es eine Fortführung und Vertiefung der letzten beiden Regionalwochenenden, bei denen wir uns mit dem Menschen im Universum („Sternenstaub“) und der Sozial-ökologischen Transformation als Antwort auf den Klimawandel und die sozial-ökonomischen Krisen beschäftigt haben.

Aber nur in gewisser Weise: Das Team aus Rebekka Bänsch, Marita Brückner, Sonja Haas-Wessendorf, und Ruth Hartmann führte uns mit vielen Impulsen zu neuen Zugängen und eigenem Erleben. Zuerst ließen wir uns persönlich von einem der vier Elementen Erde, Feuer, Wasser, Luft anziehen und tauschten uns zum Anziehenden in der entstandenen Kleingruppe aus. Später fanden wir mit Puzzleteilen unsere Kleingruppe, mit der wir abends ins Gespräch kamen und am nächsten Tag Erfahrungen austauschten. Denn am Samstag erwartete uns nach dem Morgenlob ein Experiment. Franziskanisch angeregt durch die Naturexerzitien von Jan Frerichs und Impulsen von Anke Jarzina, die im Bistum Limburg spirituelle Angebote nur draußen begleitet, führte uns Sonja mit Leib und Seele in einen Naturgang ein, den jede:r für sich machte. Draußen, etwa eine Stunde lang, gerahmt durch eine Schwelle, die man bewusst überschreitet (sich vielleicht sogar selbst baut) und über eine andere Schwelle, mit der man den Erfahrungsraum bewusst wieder verlässt. In der Zwischenzeit ging es darum, wahrzunehmen, weniger zu denken und zu reflektieren als zu spüren. Erst danach sollten wir über das Erlebte schauen, vielleicht auch deuten im Hinblick auf eine Fragestellung, die uns vorher gekommen war. Darüber tauschten wir uns dann in der Kleingruppe aus und vertieften das Erlebte am Nachmittag in verschiedenen Workshops. Mit Ton in den Händen, medi-tierend zum Bild des Baumes (nach Sebastian Painadath), selbstcoachend mit Karten aus einem Naturcoachingset oder auch in einer „hypnotischen Verankerung“. Letzteres habe ich im Workshop von Ruth erlebt, die erstmal einlud mit den Worten, dass es ein Experiment sei und sie es so noch nie gemacht habe: Die Teilnehmenden erzählten kurz vom Erlebtem am Vormittag und Ruth führte uns darauf in eine Phantasiereise, in der sie die einzelnen Erzählfäden miteinander verwob und uns ein tieferes Spüren des Naturgangs ermöglichte. Für mich eine gute Erfahrung, die die berührenden Situationen aus dem Naturgang am Vormittag deutlicher werden ließen. Auch danach erzählten wir uns von unserem Erleben.

Biblisch näherten wir uns auch dem Thema: Winfried Langenkamp begleitete uns durch einen Bibliolog zu Psalm 8 („Die Herrlichkeit des Schöpfers-die Würde des Menschen“), umrahmt von einer Szene aus dem Laubhüttenfest (Sukkot) und in den Rollen einer jungen Frau, eines alten Tagelöhners, eines Bauern und schließlich der Erde. Überraschend für ihn kamen viele der Antworten aus den unterschiedlichen Perspektiven zu Krisenthemen (soziale Ungerechtigkeit, Folgen des menschengemachten Klimawandels u.a.), auch danach unterhielten wir uns noch weiter: Was macht eigentlich Würde aus? Wer verleiht sie, kann sie entzogen werden? Was ist mit den anderen Geschöpfen Gottes, neben dem Menschen?

Nach den erfahrungsbetonten Zugängen war dies für manche vielleicht zuviel Input am Nachmittag gewesen. Oder ungewohnt, weil es keine „sprechende Bibelstelle“ wie eine Heilunsgeschichte o.ä. war. Ich war im Nachhinein froh, dass im Bibliolog auch kritische Stimmen an die Oberfläche kamen. Sie können unser Handeln in den nächsten Tagen und Wochen begleiten…

Ralf Grossmann berichtete abends zu Anliegen aus der Region. So sind die Finanzen auch nach Eindruck der Kassenwartin Marita ausgeglichen, es werde nach der guten Erfahrung aus dem letzten Jahr auch dieses Jahr weitere „Bettelbriefe schuld- und schamfrei“ geben, um weiter nötige Spenden anzuregen. Wie im GVT beschlossen, werde der Mitgliedsbeitrag aber erst 2026 neu festgelegt, um unnötige Diskussionszeiten zu vermeiden. Ralf und Ruth stehen nicht mehr als Kandidaten für das neu zu wählende Leitungsteam zur Verfügung, da sich aber keine Kandidaten gefunden haben, werde ein Suchprozess gestartet. Zusammen mit der neuen kirchlichen Assistentin, Annette Klose, wird Ruth im Moderationsteam sein, es wird noch eine dritte regionexterne Person gesucht.

Und schließlich folgte noch ein Abschied: Wegen Aufgaben rund um den Limburger Transformationsprozess hatte die bisherige kirchliche Assistentin, Kristina Wolf, schon bekannt gegeben, dass sie ihr Amt zurückgebe. Sie zog ein Resümee ihrer Tätigkeit und stellte anschaulich dar, was einer missionsärztlichen Schwester, die zwar schon Verbindendes zur ignatianischen Spiritualität hat, doch am internen „GCL-Sprech“ fremd vorkam und wie sie ihre Aufgabe entdeckte, immer wieder von außen dazu Rückmeldungen und Anfragen zu stellen. Der Regionalgemeinschaft schenkte sie zum Abschied eine selbst gestaltete Kerze, natürlich mit dem GCL-Kreuz: in rot für das Lebendige und die Liebe, mit vielen bunten Strahlen für die Vielfältigkeit der Gemeinschaft. Gerne wäre sie noch Assistentin geblieben – und so lud sie Ralf in der Danksagung auch ein, einfach dabei zu bleiben und mindestens zum nächsten Regionaltreffen wieder zu kommen. Passenderweise überreichte er eine Geschenktasche „Wundertüte GCL“…

Nach diesem Abschied und schon dem Ausblick, dass Annette Klose das Amt übernehmen wird, kamen noch einige zu einem gemütlichen Tagesausklang zusammen.

Zum thematischen Abschluss bildeten wir sonntags nach dem Morgenlob (angeregt von einem Gebet von Ruth Helfrich) Gesprächspaare und gaben einander in einem Blitzlicht Teil an den wichtigen Erfahrungen des Wochenendes. Kristina leitete dann einen Wortgottesdienst, der von tiefgründigen Texten, Lesungen, gemeinsamen Gebeten und viel Gesang geprägt war. Und auch einem Moment der Stille, in dem ein Lied eines bekanntes Missbrauchtäters doch nicht gesungen wurde und stattdessen der Betroffenen gedacht wurde. Am Ende des Gottesdienstes baten wir um den Segen für Kristina und Annette, Ralf hatte dazu ein klingendes Segensgebet von Annette Jantzen mitgebracht.

Und so nahmen wir mit dem Mittagessen wieder Abschied voneinander und hoffen, dass wir uns nächsten Jahr wieder als Region in Gnadenthal sehen!

Stefanie Sehr

Alle Bilder: Ernst Langner

Regionalwochenende der Region Mainz-Limburg-Fulda vom 27. bis 29.01.2023

Gnadenthal – schon lange habe ich mich für die Jesus-Bruderschaft interessiert, die dort eine ökumenische Kommunität mit Männern, Frauen und Familien aufgebaut hat. Dort im Haus der Stille fand das Regionalwochenende der Region Mainz-Limburg-Fulda statt mit dem Thema „Geheimnisvolles Universum und die göttliche Dynamik des Seins“.

Ein wahrhaft großes Thema.

Wir begannen das Wochenende mit einem Impuls zum Staunen und tauschten uns in Kleingruppen aus. Je mehr wir uns erzählten, um so lebendiger und „ehrfürchtiger“ wurde uns zumute. Wir entdeckten so viel Staunenswertes in der Natur, im Alltag, im Großen und im Kleinen, in der Kunst, in der Bibel, in eigenem Gelingen…und staunten auch, wie vertraut und offen das Gespräch war und unsere Herzen berührte.

Am nächsten Vormittag entführten uns Johannes und Marita Brückner in die schier unendlichen Weiten des Weltalls und in die Tiefen der Mystik. Naturwissenschaft und Mystik nicht als Gegensatz oder Widerspruch, sondern als Spiegel einer unfassbaren staunenswerten Wirklichkeit, miteinander verbunden, dynamisch und geheimnisvoll.

Es war ein bisschen, als wären wir Zeugen der Geburtswehen der Welt – vom Urknall, aus dem sich Raum und Zeit entfalteten, chemische Elemente, die freigesetzt wurden und bis heute in uns Menschen sind, die Entstehung von Leben bis hin zum Menschen und die Ausbildung von Bewusstsein.

Die Beschreibung dieses geheimnisvollen, unermesslichen Prozesses wurde immer wieder ergänzt von den Erfahrungen „göttlicher Seinsdynamik in Allem“, die in allen Religionen zugrunde liegt. „Göttliche Seinsdynamik bedeutet, dass der göttliche Geist in jedem Atom, in jeder Lebenszelle schwingt“.

Etwas überschaubarer, aber ebenso staunenswert war die Welt, die uns Sebastian Sehr in der Mittagspause zeigte bei einer Führung durch die Anlage der Kommunität mit vielen Infos über die Entwicklung der Gemeinschaft.

Der Nachmittag diente dazu, das Thema weiter zu vertiefen in 4 Workshops:

  • Staunen – Eine Betrachtung zu Bildern aus dem All
  • Eine Einführung in die christliche Mystik
  • Hinführung zu der Übung aus dem Exerzitienbuch: „Betrachtung zur Erlangung der Liebe“
  • Körpererfahrung – Yoga

Ein besonders festliches Miteinander erlebten wir in dem vorabendlichen Ritual der Begrüßung des Sonntags beim Teilen von Brot und Wein und einem köstlichen Abendessen.

Abends fanden auch die Belange der Region Aufmerksamkeit und wurden angeregt diskutiert.

Nachdem am Sonntagvormittag noch Zeit war, miteinander auszutauschen, was von all dem Erlebten und Gehörten noch mitgeht, feierten wir einen berührenden Wortgottesdienst, in dem Claudia Betz als GCL-Mitglied herzlich aufgenommen wurde.

Dieses Regionalwochenende war ganzheitlich bereichernd und ließ uns gemeinsam fragen und suchen, Verbundenheit erleben, feiern und beten, staunen und danken. Dank vor allem dem Vorbereitungsteam und den Organisatoren.

Doris Daub    hd.daub@posteo.de

Alle Bilder: Ernst Langner

Treffen der Region Mainz-Limburg-Fulda vom 18. bis 20.02.2022 in Kaub am Rhein

„Auf dem Weg mit Ignatius“

Unter dem Thema „Auf dem Weg mit Ignatius“ trafen sich 16 GCLer nach langer Zeit wieder „live“ in wunderschöner Umgebung am Rhein.

In Austauschrunden und Workshops folgten wir Ignatius in Situationen der Veränderung in unserem Leben, in heilenden Kernsätzen, gewaltfreier Kommunikation und in Gemeinschaft mit Christus. Fühlbar war, wie dicht die Themen an unserem Alltag waren.

Die Urlaubsatmosphäre und die Vertrautheit der Gruppe sorgten für entspannte Verbundenheit, für Anregungen und intensive Gespräche.

Die Region verändert sich: Die neue Kirchliche Assistentin Sr. Kristina Wolf MMS bereichert uns mit ihrem Kontakt zum Meditationszentrum Frankfurt, in dem wir am 9.4. und 17.12.2022 für die Region und Interessierte einen Besinnungstag anbieten.

Für neue Pläne nimmt das Leitungsteam Kontakt auf zur „Magis“-Gruppe in Mainz, deren Mitglieder, die nicht mehr studieren, vielleicht für die GCL sich öffnen könnten.

Die Veränderungen wurden sehr begrüßt.

Sonja Haas-Wessendorf

Alle Bilder: Ernst Langner

Regionaltreffen der GCL-Main in Ilbenstadt vom 07. bis 09.02.2020

„Heilige Räume“ schaffen – unsere Zukunftsperspektive

Was haben der Kölner Dom, das Freibad und die Küche gemeinsam? – Sie alle können heilige Räume sein! Das war eine der Erkenntnisse aus der Beschäftigung mit dem Thema „Heilige Räume schaffen“ in Ilbenstadt.

Der Satz, die Anregung „Nehmt das Zelt mit und bleibt bei denen, die eintreten. Das ist besser, als Flyer zu verteilen mit der Anweisung, ein hübsches Zelt zu bauen.“ vom Weltdelegiertentreffen 2018 hat bei den TeilnehmerInnen schon im Vorfeld eine Sehnsucht angesprochen. „Ja, das kennen wir, dass in einem Gespräch, einer Begegnung auf einmal ein Wehen durch den Raum geht. Dass da tief in uns etwas angesprochen wird, dass etwas intensiver, inniger ist als sonst.“ Es fällt nicht leicht, dieses „Heilige“, das über das Profane hinausgeht, das aus dem „Meer des Gewöhnlichen“ heraussticht in Worte zu fassen. Als Gefühl kennen wir es allemal. Und wir wissen auch, dass es nicht an einen Ort gebunden ist. Das haben wir schon zu oft erlebt, als dass wir es in eine Kirche verbannen könnten. Und genau darum passt das Bild des Zeltes so gut. Etwas, das mitgenommen werden kann. Das leicht aufzubauen ist, das auch an einer anderen Stelle gut steht.

„Was sind Heilige Räume für mich? Was macht sie aus?“; „In welchen meiner Lebensräume würde ich gerne das Zelt des Heiligen Raumes aufstellen?“, „Wo lesen wir in der Bibel von Heiligen Räumen?“ – diesen Fragen sind wir in den Workshops nachgegangen. In Gesprächen, die Zeit brauchen und sehr persönliche Meinungen zeigen, haben wir uns teilhaben lassen an den je eigenen Erfahrungen des „Heiligen“ und versucht Perspektiven zu entwickeln, wie wir dieses „Zelt“ mit in unseren Alltag, in die Arbeitswelt nehmen können. Eine der Erkenntnisse war, dass es dazu manchmal „nur“ ein Quäntchen Mut braucht.

Die GCL‘ler können zweifellos hart arbeiten und feiern können sie auch. Das haben alle am Samstagabend bewiesen. Mit einer großen Cocktail-Auswahl wurde auf das Zusammen-Sein angestoßen. In der Präsentation „Der Wuexit“ erklärte Wolfgang Zecher wie es dazu kommt, dass die Würzburger ab Sommer eine eigene Regionalgemeinschaft bilden. Da glitzerte schon die eine und die andere Träne in den Augen der Zuschauer. Ernst Langner hatte sich aus gegebenem Anlass die Mühe gemacht eine ausgewählte Bilderfolge der vergangenen gemeinsamen Regionalwochenenden zusammenzustellen. „Oh, schau – das bist doch Du!“ – mancher tat sich schwer auf den ersten Blick zu erkennen, wer da vor 15 Jahren abgelichtet war. Nach dieser herzlichen Erinnerungsschau durften wir Stefanie Schwab lauschen, die uns einige Lieder von ihrer neuen CD sang. Und dann war der Abend natürlich noch lange nicht zu Ende 😉!

Gut, dass am Sonntagmorgen immer reichlich Zeit für Ausschlafen und Frühstück eingeplant ist. Besonderer Höhepunkt dieses Vormittages war der gemeinsame Gottesdienst mit der Aufnahme von Gerlinde Neufurth und Ruth Hartmann in die GCL-Gemeinschaft.

Resümierend kann ich sagen, dass ich in der Ilbenstadt-Gemeinschaft erlebt habe, was mich an dem Thema fasziniert hat: einen Rastplatz für die Seele erlebt, einen Freiraum zum Mit-einander-Denken entdeckt, eine Oase für das Gebet erhalten und einen Feierort für das Leben gefunden.

Ein großes und herzliches Danke-Schön an die Vorbereitungsgruppe, die Kinder-Betreuung, die MusikerInnen und allen, die miteinander auf der Suche nach den „Heiligen Räumen“ waren.

Sylvia Amthor, GCL-Würzburg