„natürlich:leben“ – Ja, was denn sonst? Natürlich lebe ich, sonst könnte ich das gerade nicht schreiben. Und gleichzeitig versuche ich, natürlich zu leben – mit der Natur verbunden, mich als Teil davon zu verstehen…
Mit dieser Doppeldeutigkeit führte uns das Vorbereitungsteam des diesjährigen Regionaltreffens ins Thema ein. Wir haben uns aus der ganzen Region wieder in Gnadenthal getroffen, dieses Mal an einem sehr sonnigen und samstags auch ungewöhnlich warmem Tag Anfang April. In gewisser Weise war es eine Fortführung und Vertiefung der letzten beiden Regionalwochenenden, bei denen wir uns mit dem Menschen im Universum („Sternenstaub“) und der Sozial-ökologischen Transformation als Antwort auf den Klimawandel und die sozial-ökonomischen Krisen beschäftigt haben.
Aber nur in gewisser Weise: Das Team aus Rebekka Bänsch, Marita Brückner, Sonja Haas-Wessendorf, und Ruth Hartmann führte uns mit vielen Impulsen zu neuen Zugängen und eigenem Erleben. Zuerst ließen wir uns persönlich von einem der vier Elementen Erde, Feuer, Wasser, Luft anziehen und tauschten uns zum Anziehenden in der entstandenen Kleingruppe aus. Später fanden wir mit Puzzleteilen unsere Kleingruppe, mit der wir abends ins Gespräch kamen und am nächsten Tag Erfahrungen austauschten. Denn am Samstag erwartete uns nach dem Morgenlob ein Experiment. Franziskanisch angeregt durch die Naturexerzitien von Jan Frerichs und Impulsen von Anke Jarzina, die im Bistum Limburg spirituelle Angebote nur draußen begleitet, führte uns Sonja mit Leib und Seele in einen Naturgang ein, den jede:r für sich machte. Draußen, etwa eine Stunde lang, gerahmt durch eine Schwelle, die man bewusst überschreitet (sich vielleicht sogar selbst baut) und über eine andere Schwelle, mit der man den Erfahrungsraum bewusst wieder verlässt. In der Zwischenzeit ging es darum, wahrzunehmen, weniger zu denken und zu reflektieren als zu spüren. Erst danach sollten wir über das Erlebte schauen, vielleicht auch deuten im Hinblick auf eine Fragestellung, die uns vorher gekommen war. Darüber tauschten wir uns dann in der Kleingruppe aus und vertieften das Erlebte am Nachmittag in verschiedenen Workshops. Mit Ton in den Händen, medi-tierend zum Bild des Baumes (nach Sebastian Painadath), selbstcoachend mit Karten aus einem Naturcoachingset oder auch in einer „hypnotischen Verankerung“. Letzteres habe ich im Workshop von Ruth erlebt, die erstmal einlud mit den Worten, dass es ein Experiment sei und sie es so noch nie gemacht habe: Die Teilnehmenden erzählten kurz vom Erlebtem am Vormittag und Ruth führte uns darauf in eine Phantasiereise, in der sie die einzelnen Erzählfäden miteinander verwob und uns ein tieferes Spüren des Naturgangs ermöglichte. Für mich eine gute Erfahrung, die die berührenden Situationen aus dem Naturgang am Vormittag deutlicher werden ließen. Auch danach erzählten wir uns von unserem Erleben.
Biblisch näherten wir uns auch dem Thema: Winfried Langenkamp begleitete uns durch einen Bibliolog zu Psalm 8 („Die Herrlichkeit des Schöpfers-die Würde des Menschen“), umrahmt von einer Szene aus dem Laubhüttenfest (Sukkot) und in den Rollen einer jungen Frau, eines alten Tagelöhners, eines Bauern und schließlich der Erde. Überraschend für ihn kamen viele der Antworten aus den unterschiedlichen Perspektiven zu Krisenthemen (soziale Ungerechtigkeit, Folgen des menschengemachten Klimawandels u.a.), auch danach unterhielten wir uns noch weiter: Was macht eigentlich Würde aus? Wer verleiht sie, kann sie entzogen werden? Was ist mit den anderen Geschöpfen Gottes, neben dem Menschen?
Nach den erfahrungsbetonten Zugängen war dies für manche vielleicht zuviel Input am Nachmittag gewesen. Oder ungewohnt, weil es keine „sprechende Bibelstelle“ wie eine Heilunsgeschichte o.ä. war. Ich war im Nachhinein froh, dass im Bibliolog auch kritische Stimmen an die Oberfläche kamen. Sie können unser Handeln in den nächsten Tagen und Wochen begleiten…
Ralf Grossmann berichtete abends zu Anliegen aus der Region. So sind die Finanzen auch nach Eindruck der Kassenwartin Marita ausgeglichen, es werde nach der guten Erfahrung aus dem letzten Jahr auch dieses Jahr weitere „Bettelbriefe schuld- und schamfrei“ geben, um weiter nötige Spenden anzuregen. Wie im GVT beschlossen, werde der Mitgliedsbeitrag aber erst 2026 neu festgelegt, um unnötige Diskussionszeiten zu vermeiden. Ralf und Ruth stehen nicht mehr als Kandidaten für das neu zu wählende Leitungsteam zur Verfügung, da sich aber keine Kandidaten gefunden haben, werde ein Suchprozess gestartet. Zusammen mit der neuen kirchlichen Assistentin, Annette Klose, wird Ruth im Moderationsteam sein, es wird noch eine dritte regionexterne Person gesucht.
Und schließlich folgte noch ein Abschied: Wegen Aufgaben rund um den Limburger Transformationsprozess hatte die bisherige kirchliche Assistentin, Kristina Wolf, schon bekannt gegeben, dass sie ihr Amt zurückgebe. Sie zog ein Resümee ihrer Tätigkeit und stellte anschaulich dar, was einer missionsärztlichen Schwester, die zwar schon Verbindendes zur ignatianischen Spiritualität hat, doch am internen „GCL-Sprech“ fremd vorkam und wie sie ihre Aufgabe entdeckte, immer wieder von außen dazu Rückmeldungen und Anfragen zu stellen. Der Regionalgemeinschaft schenkte sie zum Abschied eine selbst gestaltete Kerze, natürlich mit dem GCL-Kreuz: in rot für das Lebendige und die Liebe, mit vielen bunten Strahlen für die Vielfältigkeit der Gemeinschaft. Gerne wäre sie noch Assistentin geblieben – und so lud sie Ralf in der Danksagung auch ein, einfach dabei zu bleiben und mindestens zum nächsten Regionaltreffen wieder zu kommen. Passenderweise überreichte er eine Geschenktasche „Wundertüte GCL“…
Nach diesem Abschied und schon dem Ausblick, dass Annette Klose das Amt übernehmen wird, kamen noch einige zu einem gemütlichen Tagesausklang zusammen.
Zum thematischen Abschluss bildeten wir sonntags nach dem Morgenlob (angeregt von einem Gebet von Ruth Helfrich) Gesprächspaare und gaben einander in einem Blitzlicht Teil an den wichtigen Erfahrungen des Wochenendes. Kristina leitete dann einen Wortgottesdienst, der von tiefgründigen Texten, Lesungen, gemeinsamen Gebeten und viel Gesang geprägt war. Und auch einem Moment der Stille, in dem ein Lied eines bekanntes Missbrauchtäters doch nicht gesungen wurde und stattdessen der Betroffenen gedacht wurde. Am Ende des Gottesdienstes baten wir um den Segen für Kristina und Annette, Ralf hatte dazu ein klingendes Segensgebet von Annette Jantzen mitgebracht.
Und so nahmen wir mit dem Mittagessen wieder Abschied voneinander und hoffen, dass wir uns nächsten Jahr wieder als Region in Gnadenthal sehen!
Stefanie Sehr
Alle Bilder: Ernst Langner









